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Mi 13.11.2019, Konzerthaus 20:00

Johannes Brahms


Ein Deutsches Requiem
für Soli, Chor und Orchester op. 45 
Konzerteinführung 19:00 Uhr

Der StudioChor Berlin wird das Deutsche Requiem von Johannes Brahms auf eine bisher nicht dagewesene Weise aufführen und will damit die geistige Substanz dieses epochalen Werkes der Musikgeschichte für das Publikum neu erlebbar machen.

Wie das?

Ein deutsches Requiem – schon mit seinem namentlichen Erscheinen bürstet dieses Werk als geistliche Musik gegen den ideologischen Strich der Kirche: denn deutsch ist hier als programmatischer Gegensatz zu römisch(-katholisch) zu verstehen. In der Tat zitiert Brahms nur die li-turgische Form Requiem und setzt dahinein anstelle des bekannten lateinischen Textes von ihm selbst frei aus der Bibel zusammengestellte und für ein Memento Mori als wesentlich erachtete Worte. Das Stück formuliert so eine eigene geistige Aussage. Und zwar, seinem ersten und letzten Wort folgend, zum Thema Seele: „selig.“ Das Brahms-Requiem kreiert dergestalt eine diesseitige Seelenvorstellung vom Menschen. Unerhört!

Der Institution Kirche blieb, bei aller Bewunderung für die Brahmssche Klangwelt, die geistige Provokation nicht unverborgen. Und reagierte entsprechend.

Brahms selbst bemerkte dazu im Rückblick:

„In Bremen wird mein Requiem jährlich im Dom gesungen. Aber da der Name Christus gar nicht vorkommt, so wird die Erlaubnis zur Benutzung von der Kirche nur unter der Bedingung erteilt, dass diesem Mangel durch eine Einlage abgeholfen werde. In der Regel nehmen sie dazu Händels Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“  

Der StudioChor nun wird in seinem Konzert die Erlöser-Arie erklingen lassen, um damit die anti-ideolgische Substanz der Brahms-Musik herauszustellen: gerade indem die dogmatische Aufführungsgenehmigung wiederholt wird. Mit musikalischen Mitteln wird der Musikablauf so gebrochen.

Vor dem zentralen Satz des siebenteiligen Stückes, in dem der Seelen-Ort besungen wird (Wie lieblich sind Deine Wohnungen (IV), tritt die preisgekrönte Sopranistin Carine Tinney hervor, um die Händel-Arie, in der deutschen Version und Instrumentierung von Wolfgang Amadeus Mozart, zu intonieren, - und dann doch, nach der unmittelbaren Fortsetzung des Deutschen Requiems durch die lieblichen Wohnungen auch die angestammte Brahms-Requiem-Arie zu geben: Ihr habt nun Traurigkeit.

In der Konzerteinführung ab 19 Uhr spricht die RBB-Kulturmoderatorin Anja Herzog mit Alexander Lebek über die Brahms-Musik des Abends, die in so einzigartiger Weise uns Menschen bis heute als Seelenwesen berührt.

Stefan Werner